Tech-giganten horten schulden: amazon sucht kapital in europa

Die künstliche Intelligenz (KI) schlürft Geld – und zwar in Dimensionen, die selbst die größten Technologiekonzerne vor ungeahnte finanzielle Herausforderungen stellen. Amazon, Meta, Microsoft und Alphabet stecken dieses Jahr gemeinsam schätzungsweise 725 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur. Um diesen enormen Bedarf zu decken, wenden sich die Unternehmen nun verstärkt den europäischen Kapitalmärkten zu.

Europäische anleihemärkte als neue goldgrube

Europäische anleihemärkte als neue goldgrube

Amazon hat kürzlich die BNP Paribas, Deutsche Bank und JPMorgan mit der Emission von sechs Anleihen in Schweizer Franken beauftragt, deren Laufzeiten zwischen drei und 25 Jahren liegen. Dieser Schritt reiht sich in eine zunehmende Tendenz ein, bei der Tech-Riesen auf Anleihen zurückgreifen, um ihre ambitionierten KI-Pläne zu finanzieren. Alphabet beispielsweise sammelte erst kürzlich fast 3,9 Milliarden US-Dollar durch die Emission von Anleihen in Schweizer Franken – die größte jemals von einem Privatunternehmen in dieser Währung emittierte Summe. Auch Meta und Microsoft haben in den letzten Monaten ähnliche Schritte unternommen.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Während die operativen Cashflows der Konzerne unter dem enormen Investitionsdruck leiden – allein Amazons Cashflow ist von fast 26 Milliarden US-Dollar auf lediglich 1,2 Milliarden US-Dollar im Jahresverlauf eingebrochen – bieten Anleihen eine Reihe von Vorteilen. Die steuerlichen Vorteile sind unbestreitbar, und die Aufrechterhaltung der Liquidität für unvorhergesehene Ausgaben wird ebenfalls gewährleistet.

Aber es gibt noch einen weiteren, entscheidenden Faktor: Europa. Im Gegensatz zum amerikanischen Markt bieten die europäischen Märkte eine enorme Basis an institutionellen Investoren – Pensionsfonds, Versicherungen – die auf der Suche nach sicheren und vorhersehbaren Anlagen sind. Für diese Investoren sind die großen Technologiekonzerne, insbesondere ihre Anleihen, praktisch die sichersten Anlagen außerhalb der Staatsanleihen. „Der Schweizer Markt bietet weiterhin eine stetige Nachfrage nach hochwertigen Wertpapieren und ein starkes Angebot für bekannte amerikanische Unternehmensaussteller“, so Apostolos Bantis, Leiter des Bereichs Fixed Income bei Union Bancaire Privee Ubp SA, gegenüber Bloomberg.

Die Entscheidung, sich zu verschulden, mag paradox erscheinen, gerade in Zeiten steigender Zinsen. Doch die Kombination aus steuerlichen Vorteilen, Liquiditätssicherung und der Möglichkeit, Eigenkapital im Kerngeschäft effizient einzusetzen, macht Anleihen zu einem attraktiven Instrument. Amazon plant allein dieses Jahr Investitionen in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar, um seine Marktposition im KI-Bereich auszubauen – eine Summe, die mit herkömmlichen Mitteln kaum zu stemmen wäre.

Es bleibt abzuwarten, ob diese neue Strategie der Schuldenaufnahme für die Tech-Giganten nachhaltig tragfähig sein wird. Doch eines ist klar: Der Kampf um die Vorherrschaft im KI-Markt wird weiterhin enorme finanzielle Ressourcen erfordern – und die europäischen Kapitalmärkte haben sich nun als ein wichtiger Verbündeter in diesem Wettlauf erwiesen.