Spanien drängt auf nukleargestützte raumfahrt: ein wettlauf beginnt!

Madrid – Spanien will im Weltraumrennen eine deutlich größere Rolle spielen. Die spanische Raumfahrtbehörde (AEE) hat ambitionierte Pläne bekannt gegeben: Sie strebt eine Führungsrolle bei komplexeren Weltraummissionen an, unterstützt durch den Einsatz von Kernantriebstechnologie. Ein klares Signal, dass Spanien nicht länger nur am Rande der großen Entwicklungen stehen will.

Von kleinen missionen zu ehrgeizigen zielen

Von kleinen missionen zu ehrgeizigen zielen

Bisher war Spanien hauptsächlich in sogenannten „S“-Missionen involviert, deren Budget sich im Bereich von 300 bis 400 Millionen Euro bewegt. Nun peilt die AEE den Sprung zu „M“-Missionen an, die mit rund 700 Millionen Euro ein deutlich höheres Investment erfordern. Und das ist erst der Anfang: Die nächste Stufe, die „L“-Missionen, verschlingen bereits 1,5 Milliarden Euro.

„Wir haben die Erfahrung, die Industrie und die Wissenschaftler, die wir brauchen“, betonte Juan Carlos Cortés, der Direktor der AEE, während einer Präsentation vor der Asociación Española de Empresas Tecnológicas de Defensa, Seguridad, Aeronáutica y Espacio (TEDAE). „Es ist an der Zeit, dass Spanien diesen Schritt geht.“ Die geplanten Missionen könnten sich beispielsweise der Erforschung von Gravitationswellen oder der Wechselwirkung der Magnetosphäre mit dem Sonnenwind widmen.

Die Propulsionsforschung als Schlüssel zum Erfolg

Kernantriebstechnologie ist dabei ein zentraler Baustein. „Wir müssen dabei sein und dürfen diesen Zug nicht verpassen“, erklärte Cortés. Im Gegensatz zu herkömmlichen chemischen Raketen ermöglichen Kernantriebe deutlich schnellere und effizientere Reisen – eine Voraussetzung für zukünftige Missionen zum Mars und darüber hinaus. Die NASA arbeitet bereits an diesem Thema, und auch die ESA ist aktiv. So entwickelt die NASA gemeinsam mit Lockheed Martin den DRACO-Antrieb (thermisch), dessen Flugtests für 2027 geplant sind, und das SR-1 Freedom-Projekt (nuklear-elektrisch) für 2028.

Raquel Ibáñez, eine renommierte Astrobiologin, mahnte jedoch: „Wenn Spanien den wissenschaftlichen Nachwuchs verliert, was sagt das über uns als Land aus?“ Ihre Worte unterstreichen die Notwendigkeit, in Bildung und Forschung zu investieren, um die ambitionierten Ziele der AEE zu erreichen.

Die AEE plant, ein dreigleisiges Technologieprogramm zu lancieren, bei dem die Kernantriebstechnologie eine wichtige Rolle spielen soll. „Die Technologie, die eine Reise zum Mars in weniger als zwei Jahren ermöglicht, ist der Kernantrieb“, so Cortés. Die rechtlichen Aspekte sollen mit den zuständigen Stellen geklärt werden, aber das Ziel ist klar: Spanien will in diesem Bereich eine Vorreiterrolle einnehmen.

Der kommende Kongreso del Espacio in Madrid (19. und 20. Mai) bietet eine Plattform, um die Fortschritte des spanischen Weltraumsektors zu diskutieren. Die Branchenumsätze stiegen bereits im vergangenen Jahr von 1,3 auf 1,5 Milliarden Euro – ein deutliches Zeichen für das Wachstumspotenzial.

Jorge Potti, Vizepräsident von TEDAE, fasste es treffend zusammen: „Der Weltraum ist überall – in unseren Investitionen, unseren Autos und unserem Stromnetz. In zwanzig Jahren wird dies eine absolute Revolution sein.“