Smart-tv-monopol: europas medienhäuser fordern eu-eingriff
Brüssel steht unter Druck: Eine Allianz europäischer Medienriesen hat die Europäische Kommission aufgefordert, die Kontrolle von Google, Samsung und Amazon über den Smart-TV-Markt mit aller Härte zu unterbinden. Die Schlacht, die mit der Dominanz von Android und Chrome begann, spitzt sich nun auf dem Bildschirm zu – und droht, das gesamte Medienökosystem zu verändern.
Die macht der algorithmen
Die Association de Télévision Commerciale et Services de Vidéo à la Demande (ACT), ein Zusammenschluss von Schwergewichten wie Canal+, RTL, Warner Bros. Discovery und Sky, hat in einem offenen Brief an die EU-Kommission Alarm geschlagen. Der Kern des Problems: Android TV, Fire OS und Tizen – die Betriebssysteme, die fast alle Smart-TVs beherrschen – sind in den Händen von nur drei Unternehmen. Das bedeutet, dass Google, Amazon und Samsung de facto bestimmen, welche Inhalte die Nutzer sehen und wie sie diese Inhalte konsumieren.
Die ACT argumentiert, dass die Algorithmen dieser Betriebssysteme gezielt Inhalte bevorzugen, die den Interessen der jeweiligen Unternehmen dienen. Das Ergebnis: Eine massive Verzerrung des Wettbewerbs und eine Einschränkung der Medienvielfalt. Die Zahl spricht eine deutliche Sprache: Google, Samsung und Amazon kontrollieren schätzungsweise 59 Prozent des Smart-TV-Marktes in der Europäischen Union. Android TV allein konnte seinen Marktanteil in den letzten fünf Jahren von 16 auf 23 Prozent steigern, während Fire OS von 5 auf 12 Prozent kletterte. Tizen hält weiterhin die Spitzenposition mit 24 Prozent.
„Ein begrenzter Kreis von Akteuren gewinnt zunehmend die Fähigkeit, die Ergebnisse für Millionen von Nutzern und Unternehmen zu lenken“, so die ACT in ihrer Erklärung. Es geht nicht nur um die Kontrolle über die Inhalte, sondern auch um den Zugang zu den Nutzern selbst. Wer das Betriebssystem steuert, kontrolliert das Publikum.

Die eu unter zugzwang
Die EU-Kommission hat die Beschwerde zur Kenntnis genommen und signalisiert, dass sie die Situation prüfen wird. Eine mögliche Lösung könnte darin bestehen, Android TV, Fire OS und Tizen als „Wächter“ einzustufen und ihnen strengere Auflagen zu machen. Dies würde bedeuten, dass sie sich den Regeln der Digitalen Dienste Gesetzgebung (Digital Markets Act, DMA) unterwerfen müssten – ein Schritt, der die Macht der Technologiegiganten erheblich beschränken würde.
Die Situation ist delikat. Einerseits müssen die Interessen der Medienhäuser geschützt werden, andererseits darf die Innovation nicht behindert werden. Doch eines ist klar: Der Kampf um die Kontrolle über den Smart-TV-Markt ist erst am Anfang – und er wird die Medienlandschaft Europas nachhaltig verändern. Die Frage ist nun, ob die EU den Mut hat, entschieden einzugreifen und das Monopol von Google, Samsung und Amazon zu brechen.
