Openai verliert an glanz: anthropic zieht investoren magisch an

Die einst unangefochtene Führungsposition von OpenAI im Rennen um die Gunst der Investor:innen schmilzt dahin. Während das Unternehmen noch vor einigen Monaten Milliarden Dollar wie konfetti verteilte, herrscht auf dem Sekundärmarkt plötzlich eisige Stille. Die Aufmerksamkeit – und das Kapital – verlagern sich rasant zu seinem größten Konkurrenten, Anthropic. Ein Umbruch, der die Tech-Welt in Aufruhr versetzt.

Die abwertung der erwartungen

Die abwertung der erwartungen

Ken Smythe, Gründer von Next Round Capital, schildert ein Bild der Verzweiflung. “Wir finden schlichtweg niemanden unter unseren hunderten institutionellen Investoren, der noch an OpenAI-Anteilen interessiert ist.” Noch im vergangenen Jahr waren diese Papiere innerhalb weniger Tage vergriffen; heute bleiben sie unbeachtet liegen. Die Diskrepanz ist alarmierend – und deutet auf eine tiefgreifende Verschiebung in der Wahrnehmung des Marktes hin.

Gleichzeitig herrscht um Anthropic regelmäßiger Ansturm. “Käufer haben signalisiert, dass 2 Milliarden Dollar bereitstehen, um in Anthropic zu investieren”, so Smythe. Plattformen wie Augment und Hiive verzeichnen ebenfalls einen Rekordzuzug von Investoren, die sich nach Anteilen an dem aufstrebenden Konkurrenten sehnen. Adam Crawley, Mitgründer von Augment, erklärt die Strategie dahinter: “Die Relation von Risiko und Rendite ist aktuell einfach besser. Die Wetten laufen darauf, dass die Bewertung von Anthropic die von OpenAI einholen wird. OpenAI-Anteile bieten kurzfristig wenig Hoffnung auf eine attraktive Rendite.”

Die Diskrepanz in der Bewertung spielt hier eine entscheidende Rolle. OpenAI wird derzeit mit dem zweifachen Wert von Anthropic gehandelt. Obwohl Banken wie Morgan Stanley und Goldman Sachs OpenAI-Anteile an ihre vermögenden Privatkunden anbieten – und dabei auf Erfolgsgebühren verzichten – scheint der Markt eine andere Meinung zu haben. Selbst die kürzlich angekündigte Rekord-Finanzierungsrunde von OpenAI in Höhe von 122 Milliarden Dollar kann diesen Trend nicht aufhalten. Die Finanzierung im Primärmarkt und die Dynamik auf dem Sekundärmarkt agieren offenbar unabhängig voneinander.

Die Situation wird durch weitere Probleme bei OpenAI kompliziert. Während das Unternehmen weiterhin enorme Summen in seine Infrastruktur pumpt, ringt es damit, Unternehmenskunden zu gewinnen. Anthropic hingegen scheint hier die Nase vorn zu haben und profitiert von einer höheren Margenstruktur. Es ist ein Wettlauf, der die Zukunft der künstlichen Intelligenz maßgeblich beeinflussen wird. Die Klage des Unternehmens gegen das US-Verteidigungsministerium, das Anthropic als Risiko für die Lieferkette einstufte, und der kürzliche Sicherheitsvorfall, der zur Freigabe von Quellcode führte, sind weitere Stolpersteine.

Die Börsengänge beider Unternehmen rücken näher – OpenAI bereits in diesem Jahr, Anthropic voraussichtlich im Oktober. Doch die Turbulenzen auf dem Sekundärmarkt zeigen: Der Hype um OpenAI könnte bald einer neuen Ära weichen, in der Anthropic die Geschicke der KI-Entwicklung bestimmt.