Nahost-konflikt droht wasser- und ki-desaster
Die Eskalation zwischen den USA und dem Iran spitzt sich zu, und die Folgen gehen weit über geopolitische Spannungen hinaus. Während die Welt sich auf einen möglichen Krieg einstellt, verdeckt ein stiller Notstand eine existenzielle Bedrohung: die Wasserversorgung im Nahen Osten und die Zukunft der dortigen Technologieinvestitionen.
Teheran am rande des wasserkollaps
Schon seit November steht Teheran am Abgrund. Präsident Masoud Pezeshkian warnte vor dem drohenden „Null-Tag des Wassers“, einem Szenario, in dem die rund neun Millionen Einwohner der Stadt evakuiert werden müssten, sollten die Wasserspeicher endgültig leer laufen. Die Dürre, verschärft durch den Konflikt, hat die Situation dramatisch verschärft. Während die Welt über Öl und militärische Stärke streitet, vergisst man leicht, dass Wasser – oder eben dessen Fehlen – die Grundlage für jegliches Leben und jede wirtschaftliche Entwicklung bildet.

Desalinierung als achillesferse der tech-zentren
Der Nahe Osten setzt verstärkt auf Meerwasserentsalzung, um den steigenden Wasserbedarf zu decken. Luxuriöse Resorts mit Golfplätzen und sogar Skigebieten mitten in der Wüste wären ohne diese Technologie undenkbar. Doch gerade diese Abhängigkeit macht die Region anfällig. Die meisten Entsalzungsanlagen sind eng mit Kraftwerken verbunden, da der Prozess enorme Mengen an Energie benötigt. Angriffe auf diese Energieinfrastruktur bedeuten somit auch einen direkten Angriff auf die Wasserversorgung – und damit auf die Tech-Industrie.
Kuwait deckt bereits rund 90 Prozent seines Trinkwassers durch Entsalzung, gefolgt von Oman (86 Prozent), Saudi-Arabien (70 Prozent) und den Vereinigten Arabischen Emirate (42 Prozent). Der Ausfall einer dieser Anlagen hätte katastrophale Folgen. Der Wiederaufbau einer Entsalzungsanlage dauert Jahre und ist mit immensen Kosten verbunden – ein Luxus, den die Region sich im Falle eines Krieges kaum leisten kann.

Investitionen in ki und cloud in gefahr
Der Nahe Osten hat sich in den letzten Jahren als ein attraktiver Standort für Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI), Halbleiter und Cloud Computing etabliert. Riesenkonzerne wie Microsoft, Amazon und Google blicken auf das immense Potenzial der Region und pumpen Milliarden in den Ausbau der Infrastruktur. Allein die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen bereits über rund 35 Rechenzentren, von denen ein beträchtlicher Teil hochmodern ausgestattet ist. Die erwarteten Gewinne im Rechenzentrumsmarkt sollten sich bis 2031 auf unglaubliche 7,7 Milliarden Dollar belaufen.
Aber Rechenzentren sind Wasserfresser. Ein einzelnes Großanlage verbraucht täglich bis zu 19 Millionen Liter Wasser – das entspricht dem Verbrauch einer Stadt mit 50.000 Einwohnern. Und dieses Problem wird durch den Nahen Osten noch verschärft, der bereits über 40 Prozent der globalen Entsalzskapazität beherbergt. Iran, obwohl weniger abhängig von Entsalzung als seine Nachbarn, steht mit über 93 Millionen Einwohnern unter extremem Wassermangel. Die Analytikerin Liz Saccoccia vom World Resources Institute warnt: „Der Konflikt stellt eine massive Bedrohung für die Rechenzentren und damit für den reibungslosen Betrieb der Cloud und die Entwicklung der KI dar.“
Die Sicherstellung einer verlässlichen Wasserversorgung, insbesondere durch Entsalzung, ist ebenso entscheidend wie der Zugang zu ausreichend Energie. Wenn die Kriegsparteien die fragile Infrastruktur des Nahen Ostens weiter destabilisieren, droht nicht nur ein technologischer Zusammenbruch, sondern auch eine humanitäre Katastrophe.