Deepmind-chef hassabis: künstliche intelligenz wird die welt verändern
Die Technologiebranche hält den Atem an: Demis Hassabis, der brillante Kopf hinter Google DeepMind, prognostiziert eine Zukunft, die wir uns kaum vorstellen können. In einem Gespräch an der Stanford Business School äußerte er die Ansicht, dass wir uns gerade an den Beginn einer sogenannten “Singularität” befinden – ein Begriff, der bisher eher der Science-Fiction zuzuordnen war. Doch Hassabis spricht von einer Realität, die die industrielle Revolution um ein Vielfaches übertreffen wird, sowohl in ihrer Tragweite als auch in ihrer Geschwindigkeit.
Der optimismus eines vorsichtigen visionärs
Entgegen der düsteren Prophezeiungen über eine von künstlicher Intelligenz dominierte Welt, sieht Hassabis in der AGI (Artificial General Intelligence) eine Chance, globale Talente zu demokratisieren. Er verweist auf Indien als Beispiel, wo junge Menschen bereits heute mithilfe von KI-Tools, die einst exklusiv in den Silicon Valley-Laboren verfügbar waren, ihre Fähigkeiten entfalten können – und das mit lediglich einem kurzen zeitlichen Verzug. Seine Haltung ist die eines “vorsichtigen Optimisten”, überzeugt davon, dass KI uns helfen kann, einige der größten Herausforderungen der Menschheit zu bewältigen, von der Bekämpfung des Klimawandels bis zur Erforschung und Heilung von Krankheiten wie Alzheimer.
“Ich hätte wesentlich größere Angst vor diesen Problemen, wenn ich nicht glauben würde, dass etwas wie KI auf dem Vormarsch ist”, betonte Hassabis, dessen bekanntestes Projekt AlphaFold die Proteinfaltung – eines der größten Rätsel der Biologie – löste und ihm den Nobelpreis einbrachte. Die Technologie wird heute von drei Millionen Forschern in 190 Ländern täglich genutzt.

Mehr als nur code: die rolle der geisteswissenschaften
Google reagiert auf diesen Wandel mit der Gründung einer Inkubator für ehemalige Mitarbeiter, um die Zusammenarbeit und Innovation weiter voranzutreiben. Doch Hassabis warnt auch davor, welche Bereiche die KI nicht berühren sollte. Er plädiert dafür, zunächst Werkzeuge zu entwickeln, die dem Menschen dienen, und sich dann mit grundlegenden Fragen wie dem Bewusstsein auseinanderzusetzen, bevor über den nächsten Schritt entschieden wird. “Intelligenz und Bewusstsein sind trennbar. Ich glaube, man braucht das nicht, um ein intelligentes System zu haben. Es ist eine Wahl.” Und im persönlichen Bereich betont er den unersetzlichen Wert menschlicher Qualitäten: “Die Empathie, die Mentorenschaft, die Inspiration, die ein guter Lehrer vermitteln kann – das ist unersetzlich menschlich.”

Ein aufruf an alle disziplinen
Hassabis beschreibt die derzeitige Situation als “das wettbewerbsintensivste Umfeld, das es wahrscheinlich je gab”. Wenn er heute wieder an die Universität gehen würde, welche Studiengänge würde er wählen? Für angehende STEM-Experten (Science, Technology, Engineering, Mathematics) empfiehlt er, am Ball zu bleiben. Das Verständnis der Funktionsweise dieser Werkzeuge wird in den nächsten Jahren entscheidend sein. Doch überraschenderweise richtet er seine Worte auch an die Geisteswissenschaftler. Er sieht für Ökonomen, Philosophen, Sozialwissenschaftler und Humanisten gerade die aufregendste Zeit ihrer Fächer seit langem. Voraussetzung ist lediglich, dass sie verstehen, was tatsächlich vor sich geht.
“Sobald wir die Technologie im Griff haben, werden die wirtschaftlichen Fragen kommen. Und wenn wir diese richtig lösen, werden die philosophischen Fragen nach der menschlichen Existenz folgen. Und dafür werden wir große Denker in diesen Disziplinen brauchen.” Wer bereits beruflich tätig ist, sollte das “Überkapazitäts-Potenzial” der aktuellen Werkzeuge nutzen. Ein Programmierer kann beispielsweise zehnmal mehr leisten. Jemand aus den Geisteswissenschaften, der noch nie programmiert hat, kann nun Projekte realisieren, die ihm bisher unmöglich waren. Widerstand ist zwecklos, so Hassabis. “Das Genie wird nicht wieder in die Flasche zurückkehren. Nutzt, was diese Werkzeuge leisten können.”
Die Ära der Künstlichen Intelligenz ist angebrochen. Und während die technologischen Fortschritte atemberaubend sind, liegt die eigentliche Herausforderung darin, die ethischen und gesellschaftlichen Implikationen zu verstehen und verantwortungsvoll zu gestalten. Der Ball liegt nun bei uns.
