Cyberkriminelle setzen auf Vertrauen: Netflix, Apple und Amazon im Visier
Cyberkriminelle haben ihre Methoden geändert und konzentrieren sich nicht mehr auf massive Phishing-Kampagnen mit gekauften E-Mail-Listen. Stattdessen setzen sie darauf, das Vertrauen der Nutzer zu gewinnen, indem sie bekannte Marken imitieren. Netflix führt hierbei das Feld an, da es im vergangenen Jahr am häufigsten imitiert wurde.
Netflix als Top-Ziel für Phishing-Angriffe
Laut einer Untersuchung von Kaspersky, die auf anonymisierten Daten basiert, wird Netflix mit 28,42 % aller Phishing-Seiten und Betrugsversuche im Zusammenhang mit Einkäufen und Dienstleistungen am häufigsten imitiert. Auch Apple (20,55 %) und Amazon (17,85 %) gehören zu den Top 5 der am häufigsten gefälschten Marken.
Spotify (18,09 %) vervollständigt das Podium. Dieser Trend spiegelt eine Veränderung in der Denkweise der Cyberkriminellen wider, die Unterhaltungssysteme und Bezahldienste als lukrative Möglichkeiten sehen. „Cyberkriminelle erweitern ihren Fokus und beschränken sich nicht mehr nur auf Online-Shops oder Banken“, erklärt Polina Tretyak, Analystin bei Kaspersky Digital Footprint Intelligence. „Sie greifen zunehmend auf Unterhaltungsdienste, digitale Ökosysteme und weit verbreitete Bezahlsysteme zurück, da sie es ihnen ermöglichen, das Vertrauen der Nutzer in Marken auszunutzen, die in ihrem Alltag allgegenwärtig sind.“

Vertraute Marken als Köder
Netflix, Apple, Amazon und Spotify sind Marken, die jedem Nutzer vertraut sind, der ihr Ökosystem nutzt. Cyberkriminelle nutzen dies aus, um den Erfolg ihrer Betrügereien zu gewährleisten. Die Forscher betonen, dass dies eine Technik ist, um in die Welt der Abonnementdienste einzusteigen, insbesondere angesichts der Tatsache, dass persönliche Daten, die mit diesen Plattformen verknüpft sind, zu weiteren Angriffen oder personalisierten Kampagnen führen können.
„Je vertrauter eine Plattform erscheint, desto leichter ist es für ein Opfer, die Wachsamkeit zu verlieren“, warnt Tretyak.

Cyberkriminelle profitieren von Sommer-Hacks
70 % der Hacks von Unternehmen im Sommer erfolgen über E-Mail. Auf europäischer Ebene ist Spotify am häufigsten von diesen Kampagnen betroffen, was angesichts der regionalen Präsenz des Unternehmens logisch ist. Bei Apple führen paradoxerweise die Region Asien und Pazifik diese Statistik an.
Neben den bekannten Marken gibt es auch weniger verbreitete oder bekannte Unternehmen, die einen interessanten Anteil an globaler Prävalenz aufweisen, wie z.B. Shopify (3,99 %). Weitere Beispiele sind der chinesische Gigant Alibaba Group (1,62 %), eBay (1,26 %), Taobao (1,2 %), der russische Einzelhändler Ozon (0,95 %) und sogar das schwedische Unternehmen IKEA (0,86 %). Die Angreifer priorisieren diese Unternehmen, da sie eine große Nutzerbasis und häufige Zahlungstransaktionen haben.

Verschiebung bei Bezahldienst-Betrug
Die finanziellen Betrügereien haben sich ebenfalls verändert. Während PayPal vor zwei Jahren noch über ein Drittel der Betrüge in Bezahlsystemen ausmachte, steht nun Mastercard an erster Stelle. PayPal machte 37,35 % dieser Betrugsart im Jahr 2024 aus, während Mastercard nun 33,45 % der Phishing-Seiten in dieser Kategorie anzieht. Visa folgt mit 20,06 % und übertrifft damit PayPal (11,72 %) und American Express (3,87 %). Interessanterweise weist derselbe Bericht von Kaspersky darauf hin, dass die Anzahl der Nutzer, die von traditioneller Banken-Malware auf PCs betroffen sind, gesunken ist. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Risiko gesunken ist.
