Amazon plantzt supermarkt-revolution an: walmart im visier!
Seattle – Amazon wagt einen fulminanten Angriff auf das Kerngeschäft von Walmart. Hinter verschlossenen Türen arbeitet der E-Commerce-Riese an einer völlig neuen Supermarkt-Kette, die Roboter, künstliche Intelligenz und eine nie dagewesene Logistik-Integration vereint. Ein Schachzug, der die ohnehin angespannte Lage im Einzelhandel weiter verschärfen könnte.
Das projekt „kobe“: mehr als nur ein supermarkt
Das interne Projekt, codenamed „Kobe“, ist weit mehr als eine bloße Erweiterung der physischen Präsenz von Amazon. Es handelt sich um einen radikalen Neuanfang, der das traditionelle Supermarktmodell grundlegend in Frage stellt. Die geplanten Filialen, die an den Standorten Orland Park (Illinois), Cherry Hill und Edison (New Jersey) entstehen sollen, verbinden Lebensmittel und allgemeine Waren mit einem hoch automatisierten Distributionszentrum im Hinterbereich. Dieses Zentrum dient nicht nur der Lagerung, sondern auch der Bearbeitung von Bestellungen, sowohl für den Filialverkauf als auch für die Auslieferung.
Zentraler Bestandteil der Strategie ist der Einsatz von KI, die personalisierte Warenangebote für jede einzelne Filiale generiert. Obwohl die Betriebskosten voraussichtlich höher ausfallen werden als bei bestehenden Amazon-Modellen, verspricht das Konzept eine deutlich größere Produktauswahl und eine effizientere Logistik. Ein interner Bericht schätzt, dass jede Filiale bis zu 250.000 Artikel anbieten wird – fast doppelt so viel wie bei den meisten Walmart-Supercentern.
Die bisherigen Versuche von Amazon im Lebensmittelhandel, darunter die Übernahme von Whole Foods für 13,7 Milliarden Dollar, brachten bisher nicht die erhofften Ergebnisse. Die Expansion in den US-Lebensmittelmarkt verlief zäh, und die Schließung der „Go“- und „Fresh“-Filialketten verdeutlichte die Herausforderungen. Mit „Kobe“ will Amazon nun einen neuen Ansatz wagen.
Ein Sprecher von Amazon äußerte sich zurückhaltend: „Unser neues Supercenter-Konzept soll es Kunden ermöglichen, bequem eine große Auswahl an hochwertigen Produkten zu attraktiven Preisen zu kaufen – von frischen Lebensmitteln bis hin zu Haushaltsartikeln und allgemeinen Waren, alles in einem Einkauf.“

Roboter-revolution im regal
Das Herzstück der Logistik ist ein System von AutoStore-Robotern, die im Lagerbereich für die Kommissionierung und den Versand zuständig sind. Dieses System ermöglicht eine hohe Lagerdichte, was angesichts der geplanten Produktauswahl entscheidend ist. Experten schätzen, dass Amazon in dieser Hinsicht einen deutlichen Vorteil gegenüber Walmart hat, der bisher kein vergleichbares Automatisierungsniveau erreicht hat.
Allerdings gibt es auch Hürden. Die Kommissionierung von verderblichen Waren ist kostenintensiv und erfordert zusätzliche Kühlflächen. Zudem wird erwartet, dass die Automatisierung nicht alle Aufgaben ersetzen kann; ein gewisser Grad an manueller Arbeit wird weiterhin notwendig sein. Die ersten Filialen sollen voraussichtlich Ende 2027 eröffnet werden.
Die Diskrepanz zwischen dem ambitionierten Projekt und den höheren Betriebskosten ist ein weiterer Aspekt, der die Zukunft von „Kobe“ beeinflussen wird. Intern wird bereits spekuliert, dass Amazon die Automatisierung in Zukunft noch weiter ausbauen wird, um die Effizienz zu steigern.
Ob Amazon mit dem Projekt „Kobe“ tatsächlich Walmart ernsthaft herausfordern kann, bleibt abzuwarten. Doch eines ist klar: Der Kampf um die Vorherrschaft im Einzelhandel hat eine neue, technologisch geprägte Dimension gewonnen.
